Thomas Finster: „Erwache und lache“

„Erwache und lache!“ Kann es ein schöneres Lebensmotto geben? Thomas Finster hat es für sich gewählt und verfolgt seine Ziele beherzt nach diesem Motto.
Nach einer klassischen Ausbildung zum Industriekaufmann und einem Studium zum Produktdesigner lebt und arbeitet er seit vielen Jahren als Designer in Hannover.

Style Hannover ThomasFinster 01 - Thomas Finster: „Erwache und lache“
Thomas Finster

Fangen wir ganz vorne an: Nach dem Abitur erst eine Ausbildung, dann ein Studium. Würdest du diesen Weg wieder genauso einschlagen?

„Ich hatte das damals nicht von Grund auf so geplant. Mein Weg hat sich einfach so ergeben. Ursprünglich war Folgendes geplant: Ausbildung zum Industriekaufmann, dann Betriebswirtschaft studieren und anschließend irgendwo ins Ausland zum Arbeiten. Die Ausbildung öffnete mir dann aber die Augen. Mir wurde klar, dass so ein Bürojob überhaupt nichts für mich ist. Dennoch brachte ich die dann aber zu Ende und nutzte die Zeit, um mir klar zu werden, was ich eigentlich wirklich will. Ziemlich schnell kam ich auf den Trichter, dass es etwas Kreatives sein muss! Ich besuchte diverse Zeichen- und Malkurse, um mich auf die Aufnahmeprüfung an einer der vielen Kunst- und Fachhochschulen vorzubereiten. Der erste Bewerbungsdurchgang ging in die Hose! Also ging ich in Leverkusen für ein Jahr auf eine Kunstschule, wo ich Zeichnen, Malerei, Drucktechniken, Fotografie und plastisches Gestalten (kennen-) lernte. In diesem einen Jahr stellte ich mehrere Bewerbungsmappen zusammen, mit denen ich den nächsten Bewerbungsdurchlauf startete. So kam ich dann nach Hildesheim und studierte dort Produktdesign. Parallel dazu belegte ich Kurse bei den Grafikern mit Schwerpunkt auf Typografie und Fotografie. Dieses ganze Zusammenspiel skizzierte den Plan für meinen Berufsweg. Und das funktioniert nun schon seit 20 Jahren.“

Auf mich hast du eine starke künstlerische Ausstrahlung, wäre auch „Freie Kunst“ für dich ein Studiengang gewesen?

„Hm, da bin ich mir nicht sicher. Hätte ich in der freien Kunst damals einen Weg gesehen, hätte ich ein Kunststudium vielleicht in Erwägung gezogen, aber das kam mir gar nicht in den Sinn. Grafik- oder Produktdesign war für mich damals irgendwie greifbarer und nicht so abstrakt.
Heute würde ich sagen, dass meine Fotografien freie Kunst sind, weil ich mir meine Themen selber suche und künstlerisch fotografisch umsetze.“

Du bereicherst unser Style-Hannover derzeit mit wunderbaren Fotografien. Sind Deine heutigen Schwerpunkte denn jetzt Fotografie oder Produktdesign und Grafik?

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Barcelona © Thomas Finster

„Das Schöne an meinem Beruf ist, dass ich alles wunderbar miteinander verbinden kann. Ich habe schon immer versucht flexibel zu sein und meine kreative Vielfalt zu erweitern. Deshalb würde ich keinen Schwerpunkt setzen, weil mir beide Bereiche Spaß machen: Design UND Fotografie.“

Wie erhält ein „Freier“ heute Aufträge? Funktioniert es über ein vorhandenes Netzwerk, Weiterempfehlung, Ausschreibungen oder wie vermarktest Du Dich?

„Ich muss gestehen, dass ich noch nie wirklich Kaltakquise betrieben habe. Ich habe ein gutes Netzwerk und werde von meinen Kunden weiterempfohlen. Ich finde, das ist ein gutes Zeichen.“

Was war dein erfolgreichstes Design?

„Gegenfrage: Worin misst man Erfolg? Für mich ist ein Projekt erfolgreich abgeschlossen, wenn ich in glückliche und zufriedene Augen schaue. Wenn ein Kunde mich nach unserer Zusammenarbeit weiterempfiehlt, oder wenn ich danach für weitere Projekte ins Boot geholt werde – das ist ein schönes Erfolgserlebnis.“

Ist der Ablauf für ein LOGO-Design hart erarbeitet und wird immer wieder überarbeitet oder ein Wurf, der aus dem Handgelenk geschüttelt wird und plötzlich da ist?

„Das ist ganz unterschiedlich. Dazu muss ich aber auch etwas zu meiner Herangehensweise sagen, wenn ich ein Corporate Design entwickeln soll. Für mich sind die ersten zwei bis drei Stunden mit dem Kunden entscheidend. Ich führe Gespräche auf sowohl beruflicher als auch auf persönlicher Ebene, um herauszufinden, wie mein Gegenüber tickt. Das ist ein bisschen so, als wäre ich ein Psychiater und mein Kunde würde auf meiner Couch liegen. Hier geht es dann natürlich in erster Linie um den beruflichen und wirtschaftlichen Hintergrund, aber eben auch darum, herauszufinden, wie ich beim Design den Nerv treffen kann – Farben, Formen, Bildsprache, Typografie und vieles mehr.
Nach diesem Gespräch formt sich dann schon ein Bild, das ich in Varianten ausarbeite und präsentiere. Meistens liege ich ziemlich nahe dran und der Entwurf bildet den Grundstock für die Ausarbeitung des Designs. Völlig daneben gelegen habe ich noch nie – aber aus dem Ärmel schüttele ich mir das auch nicht.“

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Hannover © Thomas Finster

Wie siehst du die Zukunft von Grafikern und Produktdesignern, eher positiv und chancenreich oder schwierig?

„Ich kann natürlich nur aus der Sicht eines Freiberuflers sprechen. Fakt ist, dass die Konkurrenz sehr groß ist. Hinzu kommt noch, dass ,Design‘ keine geschützte Berufsbezeichnung ist und sich jeder, der kreativ arbeitet, Designer nennen darf. Von daher ist der Titel Designer nicht unbedingt ein Gütesiegel. Das macht es für Absolventen sehr schwer, sich als Neuling auf dem Markt zu positionieren.“

Entfernte Reisen haben dich ins Ausland wie China und Amerika geführt. Was ist mit einem längeren Auslandsaufenthalt?

„Fremde Orte, ferne Länder und andere Kulturkreise haben mich schon immer interessiert und fasziniert, deshalb reise ich auch so gerne. Meine längste Reise hat vier Wochen gedauert.
Aber kennst Du das Wort ,Heimweh‘? Ich bin ein sogenannter Nestbauer. Für mich ist mein Zuhause – die eigenen vier Wände – enorm wichtig. Ich bin in meinem Leben nur viermal umgezogen und in meiner letzten Wohnung habe ich 15 Jahre gelebt. Vor dreieinhalb Jahren bin ich von Linden-Süd in die Südstadt gezogen. Im Grunde genommen habe ich ja nur das Maschseeufer gewechselt, aber ich brauchte schon eine ganze Zeit, bis ich mich daran gewöhnt und mich in meinem neuen Umfeld eingelebt hatte.
Ich würde niemals nie sagen, aber die Vorstellung, für lange Zeit nicht zu Hause sein zu können, fällt mir schwer.“

Style Hannover ThomasFinster London 05 - Thomas Finster: „Erwache und lache“
London © Thomas Finster

Was machst du, wenn du nicht am Rechner sitzt?

„Wenn ich nicht in der Weltgeschichte rumreise, dann reise ich gerne in die Welt der Düfte. Manche würden mich als einen Parfüm-Junkie bezeichnen. Und in der Tat, es ist wie eine Sucht. Im Urlaub oder in fremden Städten hält mein Scannerblick immer nach kleinen und feinen Parfümerien Ausschau, wo ich was Neues entdecken und ergattern könnte. Besonders spannend ist es im Ausland, wo es Marken gibt, die man hier in Deutschland nicht findet. Da kommt dann wirklich der Jäger in mir durch.
Aber ich habe ja auch das Glück, dass wir hier in Hannover tatsächlich eine der besten Parfümerien Deutschlands haben. Da bin ich mehrmals im Monat, um mich durch die neuesten und abgefahrensten Duftkreationen zu schnuppern.
Man kann sich jetzt fragen, was es einem bringt, sich mit Düften zu beschäftigen. Ganz konkret kann ich das auch nicht beantworten, aber eines ist sicher: Düfte sind Erinnerungen und Assoziationsträger.
Ich finde es einfach schön, auf der Jagd nach dem ultimativen Duft zu sein. Derzeit besitze ich knapp 90 Parfüms, von denen keines dem anderen gleicht, und jeden Tag stehe ich vor den kleinen Fläschchen und entscheide mich ganz bewusst für einen Duft – heute war es „New York Oud“ von Bond No. 9.“

Style Hannover ThomasFinster NewYork 06 - Thomas Finster: „Erwache und lache“
New York © Thomas Finster

Am 11.11. wurdest Du 50 – ein besonderes Datum. Beginn der fünften Jahreszeit und bei Dir? Was verbindest Du mit Geburtstagen?

„Geburtstage sind eine feine Sache! Da bekommt man Besuch und Geschenke, es gibt Kaffee und leckeren Kuchen, und diese Tage halten immer irgendwelche Überraschungen bereit.
Ich kenne viele Menschen, die Geburtstage gar nicht mögen, weil sie wieder ein Jahr älter geworden sind. Ich habe kein Problem mit dem Älterwerden, weil für mich das Alter keine Rolle spielt.“

Auch ein Zeitpunkt um ein Resümee zu halten: Was war gut, was weniger und was würdest Du aus der heutigen Sicht ganz anders machen?

„Hätte, hätte, Fahrradkette …
Wenn ich zurückblicke, dann bin ich im Großen und Ganzen sehr zufrieden, wie mein Leben verlaufen ist. Natürlich würde ich mit dem Wissen von heute bestimmte Dinge in der Vergangenheit anders machen, aber gerade dieses Scheitern hat mich ja auf den heutigen Weg gebracht.“

Style Hannover ThomasFinster SanFrancisco 07 - Thomas Finster: „Erwache und lache“
San Francisco © Thomas Finster

Was wünschst Du Dir für in zehn Jahren?

Ich wünsche mir, dass ich auch in zehn Jahren immer noch so viel Spaß an meiner Arbeit habe, und dass mir die Ideen nicht ausgehen, mich weiterzuentwickeln. Für mich ist es wichtig, auch andere Wege und Aufgaben zu finden, meine Kreativität einzubringen und weitere kreative Mittel und Werkzeuge zu entdecken und zu erlernen. In der Vergangenheit habe ich auch schon Sachen ausprobiert, bei denen ich schnell gemerkt habe, dass sie nichts für mich sind – aber ich habe sie wenigstens ausprobiert.“

Zum Abschluss noch ein paar Hannover-Fragen:

Hannover in drei Adjektiven – wie beschreibst Du Niedersachsens Landeshauptstadt?

„Facettenreich, bunt und geschichtsträchtig“

Bitte vollende diesen Satz: „Hannover ist ….“

„… eine Stadt für Entdecker.“

Wo / wie lässt Du in Hannover die Seele baumeln?

„Am Maschsee oder bei einem Spaziergang in der Eilenriede.“

… und wo gehst Du am liebsten essen?

„ Im ,Eiscafé und Pizzeria EUROPA‘: Das ist ein kleiner Laden in der Südstadt, gleich bei uns um die Ecke. Da gibt es gutes Eis und eine kleine Speisekarte mit leckeren Nudeln und Pizzen.“

Der STYLE von Hannover wird für Dich besonders geprägt durch …

„ … die kulturelle Vielfalt und die vielen kleinen inhabergeführten Geschäfte außerhalb der Innerstadt und durch den Ideenreichtum der Menschen, die hier leben.“

Ein ganz herzliches Dankeschön für dieses sehr persönliche Interview vervollkommnet durch Deine großartigen Fotografien!


www.thomasfinster.de

Karen Baumhöver-Wegener
Karen Baumhöver-Wegener

Ich begeistere mich für Kultur & Kunst, bin gerne mit dem Rad unterwegs und liebe es Neues zu entdecken und fotografisch festzuhalten. Als Ina mich dann ansprach, ob ich im Verein beim Blog STYLE Hannover nicht mitmachen wollte war ich schnell entschlossen und sagte zu. Als schaffende Künstlerin und Ausstellungskuratorin weiß ich sehr wohl, wie wichtig es ist mehr Öffentlichkeit für Kultur zu schaffen.

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