Sprengel Museum – Alice Aycock – bis 25. August 2019

Die Ausstellung „Alice Aycock – Selected Works 1971 – 2019“ findet vom 08. Juni bis zum 25. August 2019 im Sprengel Museum Hannover statt.

Alice Aycock (*1946, lebt in New York) hat mit ihrer 201 5 aufgestellten „Twister“-Skulptur, ,,Another Twister (Joāo)“, ein neues Wahrzeichen für das Sprengel Museum Hannover geschaffen. Innerhalb kürzester Zeit ist dieser monumentale Wirbelsturm zusammen mit Niki de Saint Phalles „Nanas“ am Leineufer und dem „Hellebardier“ von Alexander Caldera am Maschsee zu einer der beliebtesten und meist fotografierten Skulpturen im öffentlichen Raum in Hannover geworden Das Sprengel Museum Hannover widmet der Künstlerin nun eine große Ausstellung, die einen überblick über ihr Schaffen von den frühen 1970er-Jahren bis in die unmittelbare Gegenwart gibt.

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Another Twister (Joāo), 2015 © Alice Aycock

Alice Aycocks künstlerische Anfänge sind zunächst stark von der amerikanischen Konzeptkunst, Minimal Art und Land Art geprägt. Ihre erste Arbeit „Sand/Fans“ (1971 ), eine Installation mit einer Tonne Sand, die von vier starken Ventilatoren zu einer Düne aufgehäuft wird, verbindet exemplarisch Elemente von Minimal, Concept und Land Art. Dynamik und Bewegung, die sich als Themen wie ein roter Faden durch ihr Gesamtwerk ziehen, spielen hier bereits eine zentrale Rolle.

In ihrem Frühwerk widmet sie sich architektonischen Strukturen und schafft Skulpturen, die als nicht benutzbare Scheinarchitekturen entworfen und in der Formensprache der Architektur formuliert sind. Gleich den Künstler*innen der Land Art, verlässt Aycock bewusst die geschützten, aber auch kommerzialisierten Kunsträume von Galerien und Museen und realisiert etliche ihrer Architektur-Skulpturen in der Natur.

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Stairs (These Stairs Can Be Climed) © Alice Aycock

Die Landschaft wird bebaut, ein- und ausgegrenzt und begangen. Dabei knüpfen Aycocks Strukturen immer  auch an Vorstellungen, Fantasien und Ängste an. Mit den Arbeiten „Sand/Fans“ (1971), „Clay“ (1971) und „Stairs“ (1974)  ist in der Ausstellung im Sprengel Museum  Hannover  eine  Art  von  Grundvokabular der Land Art vorhanden. Die Elemente, der Aufbau und die Bewegung des Körpers sind in ihnen enthalten. Auf diesen grundlegenden  Aspekten erarbeitet sie auf charakteristische Weise thematische Nuancen heraus, die sich auf Gefährdung, Verlust und Begrenzung beziehen.

Die für Aycock signifikante Verbindung von architektonischem Bauwerk, Vorstellungskraft und psychophysischer Dimension ist in den „Projects“-Zeichnungen von 1975 in konzentrierter Form sichtbar. Reihungen und Staffelungen von aufeinander bezogenen und folgenden Räumlichkeiten halten hier Erfahrungen von Frustration und Ausweglosigkeit bereit. Die Künstlerin findet für ihre eigenen Ängste äquivalente Räume und denkt nicht daran, uns aus diesen zu entlassen. Ihre neutral und technisch gehaltenen Zeichnungen bergen janusköpfige räumliche Situationen mit letztlich nicht auflösbaren Ambivalenzen. Gerade in diesen Zeichnungen wird ersieht! ich, in welchem Maße imaginäre Räume von Aycock real existierenden gleichgesetzt werden. Die nicht begehbaren Ebenen, die nur sichtbaren Teile und die in den Zeichnungen visuell greifbaren Strukturen bezeichnen vielfältige Realitätsschichten, die in ihrem Werk nebeneinanderstehen.

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Wavy Enneper, 2011 © Alice Aycock

Die 1980er-Jahre sind geprägt von maschinenartigen Metallskulpturen, die wiederum  Elemente der angewandten bzw. der Ingenieurskunst auf ihre Idee von Bildhauerei übertragen. Auch hier spielt das Moment der Bewegung eine zentrale Rolle.

In den letzten 10 Jahren entwickelte Aycock ihre großformatigen „Twister“-Skulpturen, in denen sie die verschiedensten Aspekte ihrer künstlerischen Fragestellungen zusammenführt. Themenkomplexe wie Klimawandel und der Balanceverlust in unserem Umgang mit der Natur, die daraus erwachsenden Bedrohungen und Gefahren, aber auch technische Zivilisation und Ingenieurskunst als Antwortstrategien darauf werden in diesen Skulpturen verhandelt. Sie sind ohne digitale Konzeption nicht denkbar, treten aber dennoch machtvoll real in Erscheinung. Sie geben Naturgewalten ein Bild und repräsentieren da bei ebenso ingenieurtechnische wie künstlerische Meisterschaft.

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A Salution to the Wonderful Pig of Knowledge, 1984 © Alice Aycock

„Another Twister“ setzt vor dem Sprengel Museum Hannover ein kraftvolles Zeichen von Dynamik und Aufbruch. In der fast sechs Meter hohen Skulptur verwandeln sich fulminante Naturkräfte mit der zerstörerischen Energie des Tornados in die ästhetische Sogkraft der Kunst, die den Besucher fast gewaltsam ins Museum zieht und eindrucksvoll Energie und Wirkungskraft der Kunst verkörpert.

Alice Aycock war in Deutschland auf der documenta 6, 1977, der documenta 8, 1987, sowie 1983 in einer Einzelausstellung im Württembergischen Kunstverein Stuttgart, dem Kölner Kunstverein und dem Skulpturenmuseum Glaskasten Harl zu sehen. Das Sprengel Museum Hannover präsentiert nun die erste museale Einzelausstellung der Künstlerin in Deutschland seit 35 Jahren.


Sprengel Museum Hannover
Kurt-Schwitters-Platz
30169 Hannover

Tel. 0511/16843875

www.sprengel-museum.de


ÖFFNUNGSZEITEN:

  • Montag: geschlossen
  • Dienstag: 10 bis 20 Uhr
  • Mittwoch-Sonntag: 10 bis 18 Uhr

 

Patricia Kuwaczka
Patricia Kuwaczka

Als gebürtige Hannoveranerin liebe ich es, meine Stadt immer wieder aufs Neue zu entdecken und aus verschiedenen Perspektiven kennen zu lernen. Ich studiere Marketing & Kommunikation – ein Blog wie „STYLE Hannover“ ist für mich die perfekte Plattform, um meine Erfahrungen mit anderen zu teilen, neue Leute zu treffen und täglich etwas Bemerkenswertes über Hannover zu erfahren.