Kestnergesellschaft – Rauschen – bis zum 23. August 2020

Die Ausstellung „Rauschen“ von Kathrina Bock fand ursprünglich vom 06. März 2020 bis zum 17. Mai 2020 in der Kestnergesellschaft Hannover statt. Nun wurde sie bis zum 23. August 2020 verlängert.

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Das Anzeigerhochhaus

In der Ausstellung »Rauschen«, die vom 6. März bis 17. Mai 2020 in der Kestner Gesellschaft zu sehen ist, erkundet die Künstlerin Katinka Bock (* 1976 in Frankfurt am Main, lebt und arbeitet in Paris) Übergänge und Grenzbereiche von materiellen, historischen, sozialen und politischen Räumen. Neben 11 Skulpturen und Installationen aus natürlichen Materialien wie Keramik, Bronze oder Holz, greift sie mit dem zentralen Werk der Ausstellung, der monumentalen gleichnamigen Skulptur, den historischen Ort des angrenzenden Anzeiger-Hochhauses auf und formt daraus einen neuen skulpturalen Raum: die Außenhaut der amorphen neun Meter großen Skulptur »Rauschen« (2019) besteht aus den originalen Kupferplatten, die von 1928 bis 2019 die Kuppel des Wahrzeichens von Hannover bedeckten. Die Zeitung wird zum Hauptmotiv der Ausstellung, in dem die Künstlerin auch das Anzeiger-Hochhaus und die Zeitung selbst zum Ausstellungsraum macht.

Interessante Grenzen

Die Schau, die im Herbst vergangenen Jahres im renommierten Ausstellungshaus Lafayette Anticipations in Paris zu sehen war, kehrt damit zurück an ihren Ursprungsort. Die Parameter Zeitlichkeit und Raum prägen die künstlerische Praxis von Katinka Bock: »Der interessanteste Teil eines Raumes ist sein Rand, seine Grenze zu einem anderen Raum.« Mit diesen Worten beschreibt die Künstlerin ihren Arbeitsprozess, in dem sie häufig Außen- und Innenraum miteinander verbindet und die Trennung von Ausstellungsort und Produktionsstätte aufhebt. Ihre Skulpturen und Installationen können den Eindruck von Flüchtigkeit erwecken oder wie ein die Zeiten überdauerndes Denkmal wirken.

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Eine leere Hülle

Die Form der Skulptur »Rauschen« ist das Ergebnis einer Technik, die Katinka Bock immer wieder anwendet: Sie wickelt Objekte in Keramikplatten ein, die dann im Ofen gebrannt werden. Das Objekt verbrennt, so dass ein Hohlraum entsteht, dessen Volumen nur durch die Keramik sichtbar bleibt. »Rauschen« ist die Vergrößerung einer auf dieser Art entstandenen Skulptur. Die historischen Kupferplatten legen sich wie eine Haut um einen Körper, der nicht mehr existiert und bilden einen neuen Raum.

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Das Rauschen der unendlichen Informationen

Aufgrund ihrer enormen Größe ist die Skulptur für die Betrachter nie im Ganzen zu erfassen, so dass sie aus verschiedenen Blickwinkeln unterschiedliche Assoziationen hervorrufen kann. Im Zusammenspiel mit ihrem Titel mag der hohle Körper der Skulptur beispielsweise wie das Gehäuse einer Meeresschnecke aussehen, in der man, im Gegensatz zur kindlichen Vorstellung, nicht das Meer, sondern nur sich selber rauschen hören kann. »Rauschen« kann auch als Verweis auf die Herkunft des Materials gelesen werden: das mediale Rauschen von rastlosen Nachrichten, das uns alltäglich umgibt und das Geräusch der Offset-Druckermaschinen, die niemals stillstehen.

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Verletzlicher Körper

Auch die Zeitung selbst fungiert wie eine Membran, die uns einerseits mit der Welt verbindet und andererseits von ihr abschirmt. Ein Merkmal von Katinka Bocks Arbeitsweise ist die Auseinandersetzung mit dem Ausstellungsort, den sie in diesem Fall auf den ehemaligen Konferenzraum im Anzeiger-Hochhaus erweitert. Dort wird die Skulptur »Gisant« (2019) präsentiert, die einen abwesenden Körper durch Schichtung von Keramikplatten um einen Hohlraum sichtbar macht. Auf dem Boden ausgestreckt liegend erinnert die Skulptur an ein ruhendes Wesen oder an die verletzlichen Körper in Städten, die sich im Schlaf mit Zeitungsblättern bedecken. Im Gegenzug wird der Konferenztisch, der eigentlich an dieser Stelle steht, in der Kestner Gesellschaft präsentiert. Der Tisch von 1929, an dem traditionell die Redaktionskonferenzen stattfanden, wird hier von Kakteen aus Bronze genutzt.

Spuren der Vergangenheit

Das Hochhaus, das als Verlagsgebäude für die Zeitung Hannoverscher Anzeiger entstand, gilt als Wahrzeichen der Stadt Hannover. In kurzer Zeit errichtete der Architekt Fritz Höger 1927-1928 das aufsehenerregende, 51 Meter hohe Gebäude, das unter anderem die Druckerei und Redaktion der Zeitung beherbergte. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden hier die Nachrichtenmagazine Der Spiegel (1947) und der Stern (1948) gegründet. Im Zuge der Restaurierung wurde die Kuppel des Verlagsgebäudes entkleidet und das historische Material der Künstlerin übergeben, die den originalen Zustand erhielt, so dass die Spuren der Vergangenheit darauf deutlich zu sehen sind.

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Der Zahn der Zeit

Der über die Jahre entstandene Grünspan hat die Platten, je nach Lage auf der Kuppel, von Dunkelgrün über Türkis bis nahezu weiß gefärbt, die Vogelkrallen haben unregelmäßige Rillen im Kupfer hinterlassen und auch der Krieg ist nicht spurlos vorbeigegangen. Stellenweise sind Ausbesserungen zu erkennen, die sich wie ein Pflaster auf eine Wunde legen.

Weltweite Künstlerin

Katinka Bock wurde 2019 für den renommierten Prix Marcel Duchamp nominiert. Ihre Arbeiten werden in zahlreichen internationalen und nationalen Institutionen ausgestellt, darunter: Kunstmuseum Winterthur (2018), Lehmbruck Museum, Duisburg (2018), Museo El Eco, Mexico City (2016), Henry Art Gallery Seattle (2014), MAMCO, Genf (2013), Centre Pompidou, Paris (2012), Kunstmuseum Stuttgart (2010). Das Ausstellungsprojekt wird in Kooperation mit der Stiftung Lafayette Anticipations, Paris realisiert. Die Ausstellung wird freundlich unterstützt von der Stiftung Niedersachsen und vom Förderkreis der Kestner Gesellschaft sowie dem Bureau des arts plastiques des Institut français und des französischen Ministeriums für Kultur.


Kestnergesellschaft
Goseriede 11
30159 Hannover

Tel. 0511 – 7012010

kestner@kestnergesellschaft.de
www.kestnergesellschaft.de


ÖFFNUNGSZEITEN:

  • Montag: geschlossen
  • Täglich und an Feiertagen: 11 bis 18 Uhr
  • Donnerstag: 11 bis 20 Uhr
  • Freitags freier Eintritt

 

Yorrick Schweer
Yorrick Schweer

Zuhause ist da, wo es einem am Besten gefällt? Die Antwort fällt mir seitdem ich denken kann leicht: Hannover. Aber wieso? Hannover ist vielfältig, bietet für jedes Interessengebiet die richtigen Angebote an und egal ob Tag oder Nacht, hier ist man niemals alleine. Wenn ich mich hier umschaue sehe ich keine grauen Betonbauten, sondern Grün. Büsche, Bäume, Bunte Hausfassaden, all das ist das was Hannover für mich so unfassbar einzigartig macht.

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