Zukunftswerkstatt Ihme-Zentrum

Was passiert mit dem Ihmezentrum? Diese Frage wabert seit mehr als zehn Jahren durch die Medien – und dennoch ist die Zukunft weiterhin offen. Viel geschehen ist seit Jahren nicht, obwohl diverse Investoren immer wieder Hoffnungen für die Bewohner der mehr als 850 Wohnungen aufkeimen lassen. Dabei könnte man hier so viel auf den leerstehenden 105.000 Quadratemtern Gewerbeflächen machen!

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Wohnblock im Ihmezentrum: Die meisten Bewohner sind begeistert, der Blick über Hannover ist toll. Umgekehrt finden viele Hannoveraner den Blick auf’s Ihmezentrum nicht so schön …

Hässlicher Klotz oder liebenswerter Brutalismus?

Für Jan-Philippe Lücke, Beisitzer im Vorstand des Vereins „Zukunftswerkstatt Ihme-Zentrum“ sowie Sprecher der Kultur AG, ist das Gebäude, an dem sich die Hannoveraner von Baubeginn an reiben, zweifelsfrei die „schönste Immobilie der Stadt“. Den gebürtigen Helmstedter Künstler (er lebte unter anderem in Zürich und München) verschlug es 2012 nach Hannover. Für ihn war klar: Wenn Hannover, dann nur im Ihme Zentrum. Jan: „Ich bin ein echter Fan des Bruatlismus!“ So nennt er den Baustil der in den 70er-Jahren errichteten Immobilie, die übrigens auf dem größten gegossenen Beton-Fundament Europas steht: Auf 285 000 Quadratmetern!

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Oben hui, unten pfui: Oben in den Wohnungen lebt sich’s gut, aber unten weniger. Wo früher Unternehmen wie Saturn und eine funktionstüchtige Infrastruktur mit Läden und Gastronomie untergebracht waren, steht heute alles leer, vieles ist brüchig und mit Farben beschmiert.

Barrierefrei leben – von der Wiege bis zur Bahre …

Jan weiter: „Wo sonst kann man von der Wiege bis zur Bahre so problemlos leben! Hier ist alles barrierefrei. Die Nachbarschaft ist wirklich super, alle halten zusammen. Da habe ich in anderen Wohnungen viel anonymer gelebt als hier!“

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Hier geht’s zur Zukunftswerkstatt – ab in einen dunklen Tunnel unter dem Gebäude …

Ungenutzten Raum kreativ beleben!

Die Zukunftswerkstatt setzt sich seit 2016 mit ihren rund 100 Mitgliedern dafür ein, dass die ungenutzten Räumlichkeiten in den unteren Ebenen des Ihme-Zentrums künftig nachhaltig und kreativ wieder belebt werden. Außerdem möchte der Verein den Austausch zwischen den Bewohnern, den Kleineigentümern, dem Großeigentümer/Investor mit Sitz in Zypern, der offensichtlich gerade den Namen Intown in Lianeo Real Estate gewechselt hat, sowie der Stadt und der Stadtgesellschaft verbessern. Immerhin wurde das Engagement des umtriebigen Vereins dafür bereits 2016 und 2017 für den Deutschen Lokalen Nachhaltigkeitspreis nominiert.

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So könnten künftig die Wege unter dem Ihme-Zentrum aussehen. Der Entwurf ist nur einer von vielen. Dieser ist an einer Außenwand des Ihme-Zentrums für Passanten sichtbar.

Seit 2017 hat die Zukunftswerkstatt ein eigenes Plätzchen in dem Riesenkomplex gefunden. Der Verein, dem Stadtplaner, Architekten, Kulturschaffende, Wirtschaftsexperten, Medienvertreter, Juristen sowie Bewohner des Ihme-Zentrums angehören, hat rund 230 Quadratmeter gemietet, saniert und ein Nachbarschafts- und Kulturzentrum kreiert. Hier finden Ausstellungen, Lesungen, Diskussionsrunden, Konzerte und noch viel mehr statt. Dabei können die Räumlichkeiten auch von anderen gemietet und genutzt werden.

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Seit 2017 im Ihme-Zentrum zuhause: Die Zukunftswerkstatt.

Kulturstelle ist gesichert

Für viel Leben in der Zukunftswerkstatt sorgte Jan als Kulturbeauftragter 2018: Er organisierte rund 30 Veranstaltungen, darunter eine Ausstellung von Richard Walker, den Jan noch aus London kennt. Für die Zukunftswerkstatt die erste internationale Ausstellung mit Collagen und Siebdrucken des Multitalents Walker, der sich bei einem Besuch in Hannover im September 2018 für neue Werke inspirieren ließ für eine Ausstellung im Dezember. Jans Kulturstelle, die als Projekt „Probebetrieb“ ein Jahr lang von der Region Hannover, dem Niedersächsischen Ministerium für Wissenschaft und Kultur, sowie der Sparkasse finanziell unterstützt wurde, wird es auch weiterhin geben, finanziert von der Stadt Hannover. Jan wird sich allerdings wieder seiner Kunst zuwenden, die Stelle bekommt eine junge Absolventin der Hochschule für Bildende Künste in Braunschweig. Jan bleibt dem Verein aber als Beisitzer im Vorstand sowie Sprecher der Kultur AG erhalten.

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Jan lebt gern im Ihmezentrum. Er sitzt genau auf dem Platz, wo damals der Statiker des Ihme-Zentrums arbeitete. Im Hintergrund die Ausstellung „Mein Hannover“: Obdachlose fotografierten Hannover mit Einwegkameras.

Wir sind gespannt, wie es sowohl mit der Zukunftswerkstatt Ihme-Zentrum als auch mit dem Komplex als Ganzes weitergehen wird. Dranbleiben, wir werden weiter berichten …


Zukunftswerkstatt Ihme-Zentrum e.V.
Ihmeplatz 7E
30449 Hannover

www.ihmezentrum.info


ARBEITSGRUPPEN:


 

Katja Banik
Katja Banik

Die Idee, Hannover künftig sichtbarer zu machen, kleine Läden und Kultur zu unterstützen sowie interessante Menschen vorzustellen, finde ich toll. Journalistisch arbeiten, Interviews mit Hannoveranern führen sowie in einem wirklich netten Team einen richtig schicken Blog machen – ideal.