Wilhelm Busch Museum – Art Déco – bis 17. November 2019

Die Ausstellung „Art Déco – Grafikdesign aus Paris“ findet vom 21. September bis zum 17. November 2019 im Wilhelm Busch Museum statt.

Die als »Art Déco« bezeichnete Stilepoche begann etwa 1910 in Paris und reichte bis in die
1930er-Jahre. Neben einem prägenden Architektur- und Möbelstil brachte sie Innovationen und spektakuläre Bildfindungen im Grafikdesign hervor. Die vom Museum für Kunst und Gewerbe in Hamburg konzipierte Ausstellung umfasst Plakate, wertvolle Pochoirdrucke, Bücher, Modezeichnungen, Werbezeichnungen und Anzeigen.

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René Vincent: Peugeot, 1928. Plakat, Lithografie © Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg

Von den führenden und besten Pariser Grafikern jener Zeit werden erstklassige Arbeiten
ausgestellt, die auch das Pariser Lebensgefühl der 1920er-Jahre spiegeln, mit Vergnügungen in Cabarets, Spelunken und Revuen und der dazugehörigen lockeren Moral. Unter den Stars dieser Epoche: die gelenkige, lachende Nachtclubtänzerin und Sängerin Josephine Baker.

Der Name »Art Déco« entstand 1925 mit der Weltausstellung in Paris. Bei Art Déco denkt man an opulent geschwungene Formen, an exquisite Möbel, kostbare Stoffe und raffinierte Kleider. Doch besonders im Bereich der Grafik kam es beim gedruckten Bild zu bemerkenswerten Leistungen. So etablieren sich Anzeigen im Großformat als neue, dem Plakat ebenbürtige Form der Werbung, werden von bekannten Künstlern entworfen und spiegeln die Themen dieser Zeit wieder: das Auto, das in den Jahren um 1930 in gestalterischer Hinsicht einen Höhepunkt erlebt, das französische Chanson, das in den zwanziger Jahren groß wird, die Haute Couture, die in dieser Zeit in Paris entsteht, und nicht zuletzt Tanz und Cabaret, die damals besonders in der Hauptstadt eine wichtige Rolle spielen.

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Paul Colin: Das Jazzorchester der Josephine Baker, 1925. Blatt aus der Mappe »Le Tumulte noir«, Lithografie, Pochoirdruck © VG Bild-Kunst, Bonn 2018

Grafikdesign erlebt in den 1920er-Jahren eine Blütezeit: Es kommt zu vielen neuen Entwicklungen, sei es in der Schriftgestaltung, im Layout oder in der Illustration. Vor allem die verschiedenen Bereiche der Werbung können sich nach dem Ersten Weltkrieg entfalten: Plakate der Jahre 1920 bis 1930 gehören zu den charakteristischen Ausdrucksformen des Art Déco und gelten international als Höhepunkt der Plakatgeschichte. Dazu Illustrationen, die in der Regel im innovativen Pochoir-Verfahren gedruckt werden, und Anzeigen für Zeitschriften. Da jede Zeitschrift eigene Zeichner beschäftigt, kommt es nicht selten vor, dass sich Anzeigen für dasselbe Produkt in den diversen Zeitschriften unterscheiden.

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Charles Loupot: Plakat für die Internationale Ausstellung der dekorativen Künste, 1925. Lithografie © VG Bild-Kunst, Bonn 2018

Zu den führenden Plakatmalern – Plakate werden in Gouache oder sogar in Öl an der Staffelei entworfen und dann traditionell lithografisch gedruckt – gehören A. M. Cassandre, Charles Loupot, Jean Carlu und Paul Colin, jeder von ihnen mit einem unverwechselbaren Stil. Während Cassandre und Loupet vor allem im Bereich der Produktwerbung tätig sind, bedient Jean Carlu die ganze Bandbreite vom politischen Plakat über die Produktwerbung bis hin zum Theaterplakat. Paul Colin dagegen spezialisiert sich auf die Theater- und Cabaret-Bühnen der Stadt. Er porträtiert viele große Sängerinnen und Schauspieler der Zeit. Einer der Höhepunkte der Ausstellung ist Colins Mappenwerk über die »Revue Negré«, die Tanzkompagnie von Josephine Baker, die mehrfach in Paris gastiert und für die Colin auch Bühnenbilder und Kostüme entwirft.

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Paul Colin: Josephine Baker tanzt, 1927. Blatt aus der Mappe »Le Tumulte noir«, Lithografie, Pochairdruck © VG Bild-Kunst, Bonn 2018

Eine Pariser Besonderheit sind Pochoir-Drucke: Der Begriff meint eigentlich eine Drucktechnik, steht aber zugleich für ein ganzes Genre, nämlich die gehobene und elegante Illustration, die sich vor allem mit Mode und – dezenter – Erotik befasst. Wörtlich über-setzt heißt Pochoir Schablonendruck, doch dies sieht in der Praxis viel differenzierter aus: Zumeist handelt es sich um eine aufwendige Mischung verschiedener Techniken mit einem variierenden Anteil Handarbeit, sodass sich die Drucke nicht für hohe Auflagen und günstige Preise eignen. Trotz des anspruchsvollen Verfahrens wird der Pochoir-Druck die erste Wahl, wenn es um Illustrationen der neuen Pariser Mode geht. Eine Reihe hervorragender Zeichner wählt dieses Verfahren als ihr Medium, allen voran Paul Iribe, George Lepape und André Édouard Marty. 1920 erscheint die erste Ausgabe der französischen »Vogue«, die bereits auf den teuren Pochoir-Druck verzichtet. Schon 1925 ist der Pochoir-Druck ein Auslaufmodell.

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Paul Colin: Jean Borlin, 1925. Plakat, Lithografie © VG Bild-Kunst, Bonn 2018

Zur Ausstellung ist ein Katalog erschienen: »Art Déco. Grafikdesign aus Paris« in der Edition Braus, Berlin. Herausgegeben von Sabine Schulze und Jürgen Döring, 128 Seiten, ca. 150 Abbildungen, 25, 70 Euro. Der Katalog ist im Museums-Shop erhältlich.


Museum Wilhelm Busch
Georgengarten
30167 Hannover

Tel. 0511/16999911

service@karikatur-museum.de
www.karikatur-museum.de


ÖFFNUNGSZEITEN:

  • Dienstag-Sonntag und an Feiertagen: 11 bis 18 Uhr
  • Einzelkarte 6,00 €, Familienkarte 14,00 €, Ermäßigt 4,00 €

 

Patricia Kuwaczka
Patricia Kuwaczka

Als gebürtige Hannoveranerin liebe ich es, meine Stadt immer wieder aufs Neue zu entdecken und aus verschiedenen Perspektiven kennen zu lernen. Ich studiere Marketing & Kommunikation – ein Blog wie „STYLE Hannover“ ist für mich die perfekte Plattform, um meine Erfahrungen mit anderen zu teilen, neue Leute zu treffen und täglich etwas Bemerkenswertes über Hannover zu erfahren.

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