Uli Volke von sam nok: Händler aus Leidenschaft

*** Ende letzten Jahres stellten wir den Unternehmer und Einzelhändler Uli Volke vor. Das Interview finden wir so lesenswert, das wir es heute nochmal nach vorne holen :-).

Seit 22 Jahren prägt er den STYLE von Hannover mit seinem Geschäft sam nok  für asiatische Wohnkultur auf seine ganz eigene Art und Weise… 

Style Hannover Uli Volke - Uli Volke von sam nok: Händler aus Leidenschaft
Großes Herz und Leidenschaft für alles, was er tut – Uli Volke von SAM NOK

Uli, seit 22 Jahren seid Ihr mit sam nok eine feste Adresse für asiatische Wohnkultur in Hannover. Erzähl uns doch bitte einmal, wie alles begonnen hat?
„Unser offizieller Geburtstag ist der 11.11.1995. An diesem Datum eröffneten wir um 11.11 Uhr unser erstes Ladengeschäft in Hannover, damals an der Sedanstraße/Ecke Lister Meile.

Der eigentliche Anfang beginnt allerdings ein Jahr früher. Ich reiste im September 1994 erstmals nach Indonesien und ich war ganz angetan von Land und Leuten. Aus geplanten sechs Wochen wurden drei Monate. Ich lernte rudimentär die Landessprache und unsere ersten Hersteller kennen und die Idee zu sam nok war geboren. Ich will hier nicht zu weit ausholen, die Details finden sich auch auf unserer „Storyline“ auf unserer Webseite, beziehungsweise auf facebook.

Wie auch immer: Offiziell wurde am 1.1.1995 die Unternehmung sam nok angemeldet. Ursprünglich wollten wir einen Hausbootladen auf dem Rhein eröffnen, das scheiterte an Lena’s Veto. So entschieden wir uns für einen reinen Großhandel und wollten selbst als Handelsvertreter mit unserem alten Ford Transit durch die Lande fahren, um uns und die tollen Produkte aus Asien persönlich bei ausgesuchten Ladengeschäften vorzustellen. Aber wie das Leben so ist: Die Mustersendungen kamen leider zu spät, die großen Einkaufsmessen für die Einzelhändler waren vorbei – unser Großhandelsplan floppte erstmal. Also gingen wir auf Festivals und Flohmärkte, um dort die zahlreichen Muster zu verkaufen. Das kam so gut an, dass wir uns dann doch zu einem eigenen Laden entschlossen. Und da wir drei waren, nannten wir uns sam nok – die drei Vögel (lacht) auf thailändisch.“

In eurer Firmenphilosophie sind einige Punkte, die heute – in unserer sehr kommerzialisierten Welt – kaum ein Handels-Unternehmen so deutlich schreiben würde; „Fairer Handel“, „Einkauf bei kleinen Handwerksbetrieben“ und so weiter. Wie kam es dazu?
„Etliche Jahre vor Gründung von sam nok arbeitete ich für ein halbes Jahr quasi als Entwicklungshelfer in einer ländlichen Klinik in Sierra Leone. Die Erfahrungen dort lehrten mich, dass die damalige Handhabe von Entwicklungshilfe eher zu neuen Abhängigkeiten der Länder von beispielsweise medizinischen und technischen Produkten aus der ,entwickelten‘ Welt führte, statt in eine unabhängige Entwicklung und schließlich zu gerechtere Verteilung. Ich nahm das Studium der Wirtschaftswissenschaften auf, um herauszufinden, wie ein fairer Welthandel mit dem Ziel einer gerechteren Verteilung funktionieren könnte.

Zehn Jahre später, auf meiner ersten Reise nach Südostasien, fiel mir dann unsere Lösung ein – wir begannen Fairhandel mit Indonesien und Thailand. Gerechte Bezahlung der handverlesenen, kleinen Herstellerbetriebe, kein Preisdumping vor Ort, nachhaltige, langlebige und giftfreie Produkte waren die primären Credos.“

Und Eurer Konzept hat einfach so funktioniert – und funktioniert noch heute?
„Oooh nein. Wir mussten viel Lehrgeld bezahlen und zahlreiche Hürden nehmen, bis heute. Die ersten 18 Monate unseres kleinen Ladens mussten wir kräftig zuzahlen. Lena hielt für einen Hungerlohn die Stellung im neuen Laden, während mein Partner und ich für zusätzliche Einnahmen über ein kleines Dienstleistungsgewerbe sorgten. Wir nannten es ,rent a hand‘ und man konnte uns zu fast jeder Art von Dienstleistungen buchen. Wir gingen Toiletten putzen und Wohnungen entrümpeln, machten eben alles, was ging, um unser Baby ,sam nok‘ zu ernähren. Die Abende und Nächte gehörten der Weiterentwicklung von sam nok. Wir zogen zusammen in eine WG, um Mietkosten zu reduzieren. Das waren intensive und leidenschaftliche Jahre. Und dann bot sich die Chance, den neuen Dschungelpalast im Zoo mit auszustatten und eine kleine Auswahl aus unserem Sortiment kam in die Zoo-Shops. Schließlich war der Großhandel doch geboren.“

Inzwischen kann man ja behaupten, sam nok hat sich in Hannover etabliert und wurde zu einer festen Größe in der Stadt …
„Na ja – in so manchen Kreisen sind wir inzwischen gut bekannt. Zahlreiche Aktionen haben dabei sicherlich geholfen, wie das ,Gartenfestival‘, die Belieferung des Bühnenbildes bei ,Wetten das …?‘, der Besuch des Dalai Lamas in Hannover – den wir mitorganisieren durften – oder unsere Spuren in so manchem Restaurant und Hotel, wie dem Loccumer Hof. Auch freuten wir uns über die Auszeichnungen zur ,Top-Adresse‘ in der Nobilis oder im Stadtmagazin Prinz und aktuell im Dumont Reiseführer Hannover auf Platz 1 seiner  Einkaufsempfehlungen für Hannover …

… aber sehr viele Hannoveraner haben immer noch nicht zu uns auf den Hinterhof in die – sicherlich auch nicht sonderlich attraktive Lage – an der Vahrenwalder Straße gefunden.

Bis heute bleibt unsere Unternehmung gewissermaßen ein stetiges Abenteuer. Wir konnten uns über die Jahre zwar deutlich vergrößern und bespielen hier immerhin eine Fläche von fast 2000 Quadratmetern, hatten zu Spitzenzeiten fast 20 MitarbeiterInnen und Freelancer, doch ökonomisch verlangt der Fairhandel doch eine große Bescheidenheit. Mit aus dem Grunde sind wohl auch viele andere Fairhandelsunternehmungen in den Jahren vom Markt verschwunden. Von rund 30 Läden, die wir früher quer durch Deutschland als Großhandel belieferten, existiert nicht einmal mehr ein Drittel.“

Das klingt schwierig, Uli. Offen gefragt: Die „drei Vögel“ wollen aber nicht wegfliegen, oder?
„Manchmal kommen mir schon die Gedanken: ‚Wofür tust Du das eigentlich alles?‘ Wäre es nicht an der Zeit, den Platz der Geschäftsführung einer/em jüngeren, schnittigeren, etwas kommerzieller orientierten Nachfolger/in zu räumen? Die veränderte Marktsituation mit dem Internet und Vieles mehr macht auch uns zu schaffen. Wir bleiben aber dran und freuen uns über jeden Besucher, der erstmals unser Geschäft betritt und unsere Seele mit Komplimenten wie ,zauberhaft‘ oder ,Oase‘ streichelt.

Letztendlich, da bin ich ehrlich, müssen wir stetig kämpfen und dran bleiben. Ohne entsprechende Bescheidenheit aller Mitwirkenden wäre das nicht möglich. Es reicht weder für Rücklagen noch für eine ernsthafte Altersabsicherung. Unser tolles Team arbeitet bis heute zu einem schmalen Einheitslohn, der für uns alle gilt. Aber immerhin haben wir es bereits mehr als zwei Jahrzehnte geschafft und im aktuellen Geschäftsjahr dürfen wir mit steigendem Umsatz rechnen.

Das Schöne an unserer Arbeit: Es macht seit 22 Jahren Spaß und in Summe lebt ein kleines Dorf von unserem Tun. Wir haben eine tolle Kundschaft und täglich neue und sehr nette Begegnungen. Dafür kann man doch nur dankbar sein. Und an dieser Stelle möchte ich dann auch gerne meinen Dank aussprechen an Lena und Holger und an das ganze Team von sam nok. Im Laufe unserer Geschichte sind wir gemeinsam im wahrsten Sinne des Wortes schon durch Feuer und Wasser gegangen.“

Uli, hast Du noch Zeit und Lust unsere Style Hannover-Fragen zu beantworten – kurz und bündig?
… dann man her damit (lacht).

Hannover in drei Adjektiven – wie beschreibst Du Niedersachsens Landeshauptstadt?
„Liebe auf den zweiten Blick, überraschend, familiär.“

Dein Lieblings-Stadtteil in Hannover ist …, weil …?
„List und Linden, fangen beide mit L an wie Leben und Lieben. Ersterer schön, gelassen, ruhig – inzwischen eher beschaulich statt betriebsam. Zweiterer ist lebendig, bunt und multikulti.“

Wo lässt Du in Hannover die „Seele baumeln“?
„Strandleben, Eilenriede, Dreiecksteich, Café Jederzeit, La Rock.“

Wie gestaltest Du den perfekten Hannover-Tag für Dich?
„Ausschlafen, Frühstück in der Markthalle oder bei Francesco auf der Limmer (straße), Paddeltour auf der Leine, Zwischenstopp im Strandleben. Abendessen bei Idalina im Coimbra, Ausklang beim Klangkünstler Ferry im Monkeys.“

Was muss ein Neu-Hannoveraner in seinen ersten 30 Tagen in Hannover unbedingt kennen gelernt haben, um gleich den richtigen Spirit zu bekommen?
„Das neue Rathaus (mit Aufzug), den Welfengarten und Berggarten, die Herrenhäuser Gärten, Stadtkind lesen, Frühstück in der Markthalle, den Flohmarkt, die Limmer Straße, die Lister Meile, die Eisfabrik, das Wilhelm-Busch Museum, die Nordstadt-Kneipen, bei schönem Wetter auf’s Parkhausdach ,schöne Aussichten‘, das alteingesessene Café Safran besuchen, am Strandleben chillen, einen Spaziergang am Maschsee machen, im Sommer das kleine Fest im großen Garten und die Feuerwerksweltmeisterschaften sehen, die Fête de la Musique, das Monkeys, die vielen kleinen Theater und Bühnen (Marlene, Kanapee, Eisfabrik, TAK, Leibniz-Theater) besuchen.“

Ein volles Programm für die ersten 30 Tage :-). Zum Schluss, Uli, die letzte Frage: Der STYLE von Hannover wird für Dich besonders geprägt von/durch …
„ … ein riesiges Angebot an Kultur, Konzerten, Kunst, Theater in kleinen und großen Dimensionen, durch viel Grün von der Eilenriede bis zu den Maschteichen, durch eine gute Überschaubar- und Erreichbarkeit mit Bus und Bahn und sehr netten Menschen.
… derzeit aber auch durch ein ziemliches Baustellenchaos (lacht).“

Wir danken Dir von Herzen für das tolle Gespräch, Uli.

Ina
Ina

Ich komme aus Berlin, lebte in New York und Paris und landete der Liebe wegen in Hannover. Anfangs schien mir Hannover klein und langweilig – vielleicht sogar etwas dröge. Nach 25 Jahren weiß ich: Hannover ist eine Stadt voller Lebensqualität und Vielfalt! Und darüber wollen wir berichten, auf unserem Hannover-Blog „STYLE Hannover“. GROSSARTIG, dass sich begeisterte Mitwirkende fanden!

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