Alte Liebe rostet nicht – „The Danish Girl“

Stadkind verkleinert - Alte Liebe rostet nicht –"The Danish Girl"


Nike Strümpel mag Möbel. Wenn Freunde bei ihr zu Gast waren, haben sie stets von ihrer Einrichtung geschwärmt und sie schließlich ermutigt, einen Laden aufzumachen. Sie dachte sich: Warum eigentlich nicht? Nach dem Studium der Politikwissenschaften arbeitete sie eine Zeit lang in Tansania und beschloss nach ihrer Rückkehr, ihr Hobby zum Beruf zu machen. Von der Idee bis zur Umsetzung dauerte es gerade einmal zwei Monate. Nike Strümpel sagt, sie habe gar nicht lange überlegt, weil sie sich sonst wahrscheinlich nicht getraut hätte. Zuerst hatte sie einen Laden in Berlin, kam dann aber der Liebe wegen nach Hannover. „The Danish Girl“ bietet nur liebevoll aufbereitete Stücke an, von Stühlen über Kommoden bis zum Transistorradio – hier ist nichts fabrikneu. In Nikes Laden hat alles schon mindestens einen Vorbesitzer gehabt. Keine Antiquitäten, kein stylisher Schnickschnack. Aber alles, was bei „The Danish Girl“ steht, hat gelebt. 

Stellst du fest, dass die Menschen mittlerweile lieber alte, beziehungsweise aufbereitete Sachen kaufen, statt die üblichen 08/15-Schweden-Standards?

Halb und halb. Natürlich gibt es auch Leute, die mit dem, was ich hier verkaufe, überhaupt nichts anfangen können. Es gibt aber auch welche, die ausschließlich so eingerichtet sind, wie ich es hier anbiete oder welche, die einen Mix aus beiden Stilen haben. Es gibt ja auch praktische Sachen, die man einfach in großen Möbelhäusern kaufen muss. Machen wir uns nichts vor: Ein Billy-Regal ist für seinen Preis einfach unschlagbar, da passt alles rein. Aber ich denke schon, dass der Trend vom klassischen Ikea-Chic weggeht und viele sich lieber wieder individuell einrichten möchten.

Tansania ist nicht unbedingt für seinen Wohlstand bekannt und das Gros der Menschen in Berlin ebenso wenig. Wie sind deine Erfahrungen hier in Hannover zum Thema „nachhaltig kaufen“?
Es ist ja schon eher so, dass man solche Möbel für’s Leben kauft; um sie zu behalten und nicht in zwei Jahren wieder auszutauschen – hoffentlich! Doch: Ich würde ganz deutlich sagen, dass der Trend eher dahin geht, auch wenn das bedeutet, sich nicht für 500 Euro komplett einrichten zu können. Ich höre recht häufig, dass gerade Leute in ihren Dreißigern einfach gar keine Lust mehr haben, sich ständig neu einrichten und ihren Wohnstil neu erfinden zu müssen. Da will man dann keine Experimente mehr machen und kann sich für dauerhaftere Lösungen entscheiden. Klar kann es sein, dass viele auch einfach nicht zwei Mal bezahlen wollen, denn: Kaufst du billig, kaufst du zwei Mal. Aber der Ansatz, ein Mal etwas mehr Geld in die Hand zu nehmen, dafür dann aber auch ein langlebiges Produkt zu haben, ist klug. Oft hat es auch einen moralischen Hintergrund, sich gleich „vernünftige“ Möbel zu kaufen. Ja, das höre ich tatsächlich oft. Wegschmeißen ist eigentlich out. Gerade, wenn es so individuelle Stücke sind – Herzensstücke – dann gehören die einfach mir und nicht noch 10.000 anderen.

Woher bekommst du deine Ware? Suchst du Flohmärkte auf oder plünderst Dachböden?

Nicht mehr, das habe ich mal aus Leidenschaft gemacht, aber dazu habe ich mittlerweile keine Zeit mehr. Für so etwas bleibt einem immer nur der Sonntag. Und manchmal ist auf Flohmärkten einfach nichts für mich dabei. Wenn du dann vier Stunden erfolglos in irgendwelchen Kartons gewühlt hast, ist das frustrierend. Und da mein Laden eine One-Woman-Show ist, brauche ich auch einfach hin und wieder Zeit für mich, in der ich mich dann nicht mit Möbeln beschäftige. Nein, ich habe hier so meine Kontakte geknüpft – es gibt ja glücklicherweise Firmen, die Wohnungsauflösungen machen. Man kennt sich mittlerweile, sie wissen, was mir gefällt, treffen gewissermaßen eine Vorauswahl. Ich selber versuche solche Entrümplungsaktionen zu vermeiden – das ist einfach körperlich sehr anstrengend und für mich gar nicht zu bewerkstelligen. Ein dreistöckiges Haus, inklusive Keller, Dachboden, Kuckucksuhr und ausgestopfter Katze, das geht für mich nicht. Dafür bin ich zu selektiv, was mein Sortiment angeht. Außerdem fahre ich ziemlich regelmäßig nach Dänemark, da gibt es riesige Hallen, in denen die Möbel angeboten werden. Da geht man dann durch und nimmt mit, was einem gefällt.

Das erklärt dann wohl auch den Namen deines Ladens?

Genau. Eigentlich war das mehr oder weniger eine alberne Wortspielerei mit einer Freundin, aber es gefiel mir.

Wenn du nicht einfach Katalogware bestellst, sondern auch noch viel Energie in die Beschaffung und Aufbereitung der Stücke investierst, verspürst du dann eine Art Abschiedsschmerz, wenn du sie später verkaufst?

Ja! Es wäre auch schlimm, wenn es nicht so wäre, schließlich kaufe ich ja nur, was mir selbst auch gefällt. Manchmal gefällt es mir sogar so sehr, dass ich Herzklopfen bekomme, wenn ein Kunde das Stück in die Hand nimmt. Dass ich hoffe, er legt das Stück zurück ins Regal, weil ich merke, dass es für mich eins dieser Herzensstücke ist. In so einem Fall ist es einfach nicht für den Verkauf geeignet, dann nehme ich es mit nach Hause. Aber da muss ich aufpassen. Mein Zuhause ist sehr viel spartanischer eingerichtet als der Laden hier, zu viel darf es dann nicht werden. Bei manchen Einrichtungsgegenständen steht der Nutzen im Vordergrund, ganz klar.

Bei Leuten, die ihren Schwerpunkt auf Kleidung und Mode legen, muss nicht der Schrank schön sein, sondern nur der Inhalt. Einer Leseratte kommt es auch nur auf die Bücher an, nicht auf das Regal, in dem die Bücher stehen.
Wenn man sich also sein Refugium schafft, in dem man selbst entscheidet, was einem wichtig ist, sollte das selektiv passieren?

Genau. Bei mir ist es so: Wenn ich zum Camping fahre, mache ich mir als erstes das Zelt so schön, dass ich Lust habe, darin zu schlafen. Das ist mit der Wohnung für mich genau das gleiche: Ich muss mich wohlfühlen, gerne zu Hause sein. Da tanke ich Kraft und erhole mich, da ist mir einfach wichtig, dass das in schöner Atmosphäre passiert. Man ist ja ein Individuum, da muss man sich auch nicht mit Massenware zufrieden geben. (Text: UM/Fotos: Danish Girl)

HIER STELLEN wir Euch den Laden von NIKE einmal vor 🙂 


The Danish Girl
Goebenstr. 42
30161 Hannover

Tel.: 0163/1612175


ÖFFNUNGSZEITEN:

  • Mittwoch – Freitag: 11 bis 18 Uhr
  • Samstag: 11 bis 16 Uhr

 

Stadtkind
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Kooperations-Partner: STADTKIND ist DAS Stadtmagazin Hannovers und Kooperations-Partner von STYLE Hannover. Der Grund liegt auf der Hand; denn das STADTKIND prägt seit Jahren – unabhängig von großen Verlagen – den STYLE Hannovers wie kein anderer. Die Lebenszeit ausgewählter Artikel vom STADTKIND werden wir deshalb mit der Veröffentlichung auf unserem Blog „STYLE Hannover“ verlängern. Wir freuen uns drauf!

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