Kestner Gesellschaft – Aleatory Structures – bis 03.02.2019

Die Ausstellung „Aleatory Structures“ von Teresa Burga findet vom 01. Dezember 2018 bis zum 03. Februar 2019 in der Kestner Gesellschaft statt.

Mit der Ausstellung „Aleatory Structures“ zeigt die Kestner Gesellschaft eine umfangreiche Überblicksausstellung der südamerikanischen Künstlerin Teresa Burga (*1935 in Iquitos, Peru). Erstmals in Deutschland werden mit über 100 Werken die letzten 50 Jahre ihres künstlerischen Schaffens vorgestellt. Burgas Lebenswerk ist von einer außergewöhnlichen Vielfalt gekennzeichnet, es umfasst Gemälde, Objekte der Pop Art, Skulpturen, kybernetische Installationen und Zeichnungen. Ihre Arbeit ist darüber hinaus in allen Schaffensphasen von einer analytischen Herangehensweise geprägt, die sich beispielsweise in der Verwendung von mathematischen Modellen und Diagrammen ausdrückt, anhand derer sie traditionelle Geschlechterrollen und künstlerische Autorschaft gleichermaßen dekonstruiert.

Style Hannoer Terese Burga 02 - Kestner Gesellschaft - Aleatory Structures - bis 03.02.2019
Teresa Burga Autorretrato 1972 2006 Courtesy die Künstlerin Galerie Barbara Thumm, Berlin

Obwohl Burga ihrer Zeit häufig voraus war, wurde sie vielfach übersehen. Die Ausstellung möchte auch dazu beitragen, die Künstlerin zwischen Positionen ihrer Generation wie Martha Rosler oder Hanne Darboven im kunsthistorischen Kanon endgültig zu verankern. Der Titel der Ausstellung Aleatory Structures  (dt. zufällige Strukturen) spiegelt das scheinbar paradoxe Nebeneinander von radikaler Subjektivität und einem beinahe wissenschaftlichen Bedürfnis zur Vermessung in ihrem Werk wieder. Exemplarisch dafür steht die Arbeit Autorretrato. Estructura. Informe. 9.6.72 (1972), eine komplexe Installation aus Zeichnungen, Fotografien und Kardiogrammen, für die sich Burga einer Reihe von medizinischen Tests unterzog, um ein möglichst exaktes Porträt von sich zu erstellen. Die Fülle an ausgestellten Daten führt dazu, dass sich der Körper der Künstlerin gleichsam entmaterialisiert und sie sich dem männlich – objektivierenden Zugriff (eng. male gaze) auf den weiblichen Körper vollkommen entzieht. In jüngeren Werkzyklen greift sie wiederum zurück auf die bunte Ästhetik der Pop Art und stellt verstärkt die Bedeutung künstlerischer Autorschaft in Frage, etwa wenn sie, wie in ihren Kinderzeichnungen (2013 – 2014), Bilder von Kindern nachmalt und ihre Zeichnungen neben den Originalen präsentiert.

Style Hannover Teresa Burga 03 - Kestner Gesellschaft - Aleatory Structures - bis 03.02.2019
Teresa Burga La ventana 1967 Courtesy die Künstlerin Galerie Barbara Thumm, Berlin

Nach ihrem Kunststudium in Lima (1962 – 1964) erhielt Teresa Burga 1968 ein Fulbright -Stipendium, das ihre ein zweijähriges Studium am Art Institute of Chicago ermöglichte. Dort beschäftigte sie sich intensiv mit experimenteller und konzeptueller Kunst, auch in der Auseinandersetzung mit ihrem damaligen Lehrer Claes Oldenburg. In dieser Zeit entwickelte sich ihr Interesse für Computer – und Informationstechnologien, sie begann, Kommunikationstheorien als Ausgangspunkt für ihr künstlerisches Schaffen zu nutzen. Nach ihrer Rückkehr in ihre Heimat Peru, das von einer nationalistisch gesinnten Militärdiktatur geprägt war und es wenig Raum für freies, künstlerisches Schaffen gab, war sie gezwungen, anderweitig ihren Lebensunterhalt zu verdienen.

Style Hannover Teresa Burga 01 - Kestner Gesellschaft - Aleatory Structures - bis 03.02.2019
li. Teresa Burga La Ilmana 1966 Courtesy die Künstlerin Galerie Barbara Thumm, Berlin re. Teresa Burga Untitled (Bar) 1966 Courtesy die Künstlerin Galerie Barbara Thumm, Berlin

Burga arbeitete von diesem Zeitpunkt an beim Zoll, eine Tätigkeit, die ihrer Vorliebe für Mathematik, Strukturen und Organisation entgegenkam. In den zahlreichen Werken der Ausstellung zeigt sich immer wieder Teresa Burgas Interesse an Kommunikation, insbesondere an der Übermittlung und Wirkungsweise von Informationen. Mit Bauanleitungen für Apparaturen, Handlungsanweisungen, Diagrammen und gezeichneten Zeitungsartikeln liefert sie den Besuchern eine Vielzahl von Daten und Fakten. Ebenso experimentiert sie damit, Kunst und Poesie bis auf die Grundstrukturen der enthaltenen Informationen zu reduzieren. Dabei protokolliert sie häufig minutiös den Produktionsprozess und entwickelt so eine Form der Subjektivität, die sich in einer ständigen Reflektion über die eigene Rolle als Künstlerin ausdrückt.
Teresa Burgas Arbeiten wurden lange Zeit sowohl im nationalen wie auch im internationalen Kontext nicht beachtet, was unter anderem auch auf die politischen und ökomischen Verhältnisse in ihrem Heimatland Peru zurückzuführen ist. Die Ausstellung in der Kestner Gesellschaft knüpft an die zunehmende Kritik an einer eurozentrisch ausgerichteten Kunstgeschichte und die Forderung nach einer Neubewertung insbesondere weiblicher Positionen an. „Aleatory Structures“ steht damit programmatisch in einer losen Verbindung mit vorhergegangen Präsentationen von u.a. Rochelle Feinstein oder Christa Dichgans – allesamt Künstlerinnen, die viele Jahre warten mussten, bis sie in der Öffentlichkeit wahrgenommen und diskutiert wurden Teresa Burga lebt und arbeitet in Lima, Peru. Ihre Arbeiten wurden weltweit in zahlreichen Einzel-und Gruppenausstellungen gezeigt.

Kuratorinnen: Christina Végh und Lea Altner


Kestnergesellschaft
Goseriede 11
30159 Hannover

Tel. 0511 – 7012010

kestner@kestnergesellschaft.de
www.kestnergesellschaft.de


ÖFFNUGSZEITEN

    • Montag: geschlossen
    • Täglich und an Feiertagen: 11 bis 18 Uhr
    • Donnerstag: 11 bis 20 Uhr
    • Freitags freier Eintritt

EINTRITT

  • Mitglieder und ADKV: 0 Euro
  • Einzelticket: 7 Euro
  • Einzelticket ermäßigt: 5 Euro
  • »PSD Bank FreiTag«: 0 Euro
  • kostenlose Führungen
  • Donnerstag 18:30 Uhr und Freitag »lunch break« 14 Uhr

 

Karen Baumhöver-Wegener
Karen Baumhöver-Wegener

Ich begeistere mich für Kultur & Kunst, bin gerne mit dem Rad unterwegs und liebe es Neues zu entdecken und fotografisch festzuhalten. Als Ina mich dann ansprach, ob ich im Verein beim Blog STYLE Hannover nicht mitmachen wollte war ich schnell entschlossen und sagte zu. Als schaffende Künstlerin und Ausstellungskuratorin weiß ich sehr wohl, wie wichtig es ist mehr Öffentlichkeit für Kultur zu schaffen.

YouTube aktivieren?

Auf dieser Seite gibt es mind. ein YouTube Video. Cookies für diese Website wurden abgelehnt. Dadurch können keine YouTube Videos mehr angezeigt werden, weil YouTube ohne Cookies und Tracking Mechanismen nicht funktioniert. Willst du YouTube dennoch freischalten?