Sprengel Museum – Ruhige Momente – bis zum 19. Juli 2020

Die Ausstellung ,,Ruhige Momente“  findet vom 07. Mai 2020 bis zum 19. Juli 2020 im Sprengel Museum statt.

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Joost Schmidt, Zerbrochene Tasse, um 1938 °Gemeinfrei

Corona

Als die Ausstellung geplant wurde, war natürlich nicht absehbar, wie aktuell dieses Thema werden würde, und dass der vollkommene Rückzug aus dem öffentlichen Leben in das Private unserer Wohnungen unser aller Leben bestimmen würde. Vielleicht vermag diese Ausstellung Ihnen etwas Trost zu spenden und Anregungen zu geben, sich mit Ihrer weiterhin stark aufs Häusliche beschränkten Umgebung zu beschäftigen.

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Richard Hamilton, Just what is it that makes today´s homes so different?, 1994 °R. Hamilton / VG Bild-Kunst Bonn, 2020

Cocooning

„Ruhige Momente“ erlebt man meist in freundlicher Umgebung und warmer Atmosphäre. Innenräume und ihre Ausstattung bieten in unsicheren und gehetzten Zeiten einen geschützten Rückzugsort, um zu entspannen und zur Ruhe zu kommen. Sich aus der Öffentlichkeit zurückzuziehen und in den eigenen vier Wände einzuigeln, bezeichnet die Kulturgeschichte als Cocooning. Diese Zustände werden in der Kunst seit dem 17. Jahrhundert in den Gattungen von Stillleben und Interieur dargestellt. Seit den Avantgardebewegungen um die Wende zum 20. Jahrhundert bis heute haben sich die Künstler*innen von den traditionellen Gattungsbegriffen und Symboliken allerdings befreit und ihre eigenständigen Interpretationen von Räumlichkeiten und Gegenständen gefunden.

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Pablo Picasso, Le repas frugal, 1904 °Succession Picasso / VG Bild-Kunst Bonn, 2020

Beruhigendes Blau

Blautöne werden instinktiv als beruhigend empfunden und wecken unsere Sehnsucht nach einer verlässlichen und sicheren Basis von Harmonie und Geborgenheit. So wird die Ausstellung mit einer „blauen“ Wand eröffnet: Auf ihnen präsentieren wir beispielsweise die farbintensiven Abstraktionen von Nachtblau und Schwarz von Rupprecht Geiger, die Abendstille und nächtliche Ruhe suggerieren.

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Roy Lichtenstein, ,,Hommage á Picasso, Lieferung IV“, 1973 °Estate of Roy Lichtenstein / VG Bild-Kunst Bonn, 2020

Marc Chagall

Das Gehäuse für das Interieur und den darin befindlichen Hausrat ist natürlich das Haus oder die Wohnung. Marc Chagall verweist in seinem Selbstporträt (1922/23) mit dem elterlichen Haus als Hut auf dem Kopf noch auf eine weitere Bedeutung von „Haus“ im Sinne von Familie und einem gemeinsamen Zusammenleben. Paul Klee erweitert den Begriff ins soziale Miteinander. In der häuslichen Umgebung werden Momente des alltäglichen Daseins ihrer Bewohner*innen eingefangen, die aber durchaus auch einen politischen Sinn oder allegorische Hintergründe haben können, die witzig oder moralisch, rätselhaft oder poetisch sein können. Im 19. Jahrhundert ist das Interieur allgegenwärtig, hier verschanzt sich das Bürgertum in seiner „guten Stube“ gegen die als chaotisch empfundene Großstadt. In der modernen Kunst wird auch die Gegenseite dieser Heimeligkeit, nämlich das Zimmer als Stätte der Angst und Bedrängnis, als einsame Falle und Kerker wahrgenommen. Auch das mit einem „Moskitonetz“ verhängte Bett in Max Beckmanns Zeichnung (1939/1947) ist vermeintlich ein Ort der Geborgenheit. Das Netz deckt die schlafende Frau nur zum Teil ab, sie ist den Insektenstichen hilflos ausgeliefert. Die Zeichnung entstand im prekären holländischen Exil, wo Beckmann in Furcht vor Ausweisung und Musterung lebte.

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Ben Schonzeit, ,,Documenta“ 1972 °Ben Schonzeit

,,The Shower“

Einen politischen Aspekt greift Ilja Kabakow in seiner Zeichnungsserie „The Shower“ (1970-1974) auf. Der nackte, mit verschränkten Armen frierend unter der Dusche stehende Mann wartet vergeblich auf das Wasser, das in aberwitziger Weise alle möglichen Formen um seinen Körper herum annimmt, nur nicht den zum Duschen erforderlichen Wasserstrahl. Die Serie wurde interpretiert als Kritik am sozialistischen System und den gesellschaftlichen Bedingungen in der UdSSR und markiert Kabakows Umschwung vom offiziellen Staatskünstler zum Dissidenten.

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Ilja Kabakow, ,,The Shower“, 1974 °VG Bild-Kunst Bonn, 2020

Vertraute Alltagsgegenstände

Die Tradition des Stilllebens mit wechselnden allegorischen Bedeutungen der dargestellten, leblosen Gegenstände reicht zurück bis in die Antike. Neben den traditionellen Motiven wie Blumen, Vasen, Speisen und leblosen Tieren wurden in der Moderne vor allem Alltagsgegenstände bevorzugt. Künstler wie Fernand Léger und Pablo Picasso konnten die neue kubistische, das Motiv zerlegende Formensprache etwa in Stillleben von gedeckten Tischen mit vertrauten Gegenständen erproben.

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Andy Warhol, Campbells´s Soup Can I, 1968 °Artists Right Society

Unausweichlicher Tod

Auch andere moderne Haushaltsgegenstände und technische Errungenschaften wie Steckdosen und Telefone, vakuumierte Schinkenscheiben oder Arbeitsmittel wie Steigeisen werden bildwürdig und zum experimentellen Medium.
Die mahnende Erinnerung an den unausweichlichen Tod beschäftigt auch die modernen und zeitgenössischen Künstler*innen. Wie in den traditionellen Vanitasdarstellungen ist auch in der Moderne der Totenschädel eines Menschen oder Tieres das Symbol der Vergänglichkeit und Sterblichkeit, wie etwa bei Pablo Picasso.

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Oskar Schlemmer, Die Lesestunde , 1935

Zeitübergreifende Ausstellung

Die Ausstellung folgt diesen Motiven in all ihren Facetten, vornehmlich aus der grafischen Sammlung des Sprengel Museum Hannover. Sie ist nicht chronologisch gegliedert, sondern widmet sich zeitenübergreifend einzelnen Themenbereichen: Neben den bereits genannten Künstler*innen umfasst sie Werke von u. a. Andy Warhol, Max Beckmann, Richard Hamilton, Max Ernst, Roy Lichtenstein, Anna Oppermann und Oskar Schlemmer.

Kuratorin: Karin Orchard


Sprengel Museum Hannover
Kurt-Schwitters-Platz
30169 Hannover

Tel. 0511/16843875

sprengel-museum@hannover-stadt.de
www.sprengel-museum.de


ÖFFNUNGSZEITEN:

  • Montag: geschlossen
  • Dienstag: 10 bis 20 Uhr
  • Mittwoch bis Sonntag: 10 bis 18 Uhr

EINTRITTSPREISE (Stand: 05.2020):

  • Erwachsene: 7 Euro / ermäßigt 4 Euro
  • Kinder bis 12 Jahren: Eintritt frei
  • Jahreskarte: 35 Euro / ermäßigt 20 Euro
  • Freitags freier Eintritt
  • barrierefrei

 

Yorrick Schweer
Yorrick Schweer

Zuhause ist da, wo es einem am Besten gefällt? Die Antwort fällt mir seitdem ich denken kann leicht: Hannover. Aber wieso? Hannover ist vielfältig, bietet für jedes Interessengebiet die richtigen Angebote an und egal ob Tag oder Nacht, hier ist man niemals alleine. Wenn ich mich hier umschaue sehe ich keine grauen Betonbauten, sondern Grün. Büsche, Bäume, Bunte Hausfassaden, all das ist das was Hannover für mich so unfassbar einzigartig macht.

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