Kunstverein Hannover – 2000 – Mensch. Natur. Twipsy – bis 25. August 2019

Die Ausstellung „2000 – Mensch. Natur. Twipsy“ von Henrike Naumann findet vom 13. Juli bis zum 25. August 2019 im Kunstverein Hannover statt.

Den Ausgangspunkt für die künstlerische Praxis von Henrike Naumann (*1984) bildet die »deutschdeutsche Wiedervereinigung« und deren Folgen, die die Künstlerin aus dem Blick des Jahres 2000 betrachtet. Was passierte nach 1989, wie sah das alles im Jahr 2000 aus, und wie prägten diese Jahre unsere Gegenwart?

Style Hannover Kunstverein Hannover Henrike Naumann Expo B - Kunstverein Hannover - 2000 – Mensch. Natur. Twipsy - bis 25. August 2019

Anhand von Möbeln, die manchmal mehr »sagen« können als Worte, inszeniert Naumann die Postwendezeit mit all jenen Objekten und Schrankwänden, die als Billigvarianten das Design der Postmoderne widerspiegeln und die nach der Wende dann auch die Wohnzimmer der »Neuen Bundesländer« überfluteten. Bis ins kleinste Detail plant die Künstlerin, die zunächst Bühnenbild in Dresden und Szenenbild in Potsdam studierte, ihre Installationen, die uns in die 1990er-Jahre führen. Ihre Settings bewegen sich zwischen Concept Store, Wohnzimmer und Ruinen einer gefühlt soeben erst vergangenen Zeit.

Mit ihren Installationen arbeitet Henrike Naumann wie kaum eine andere Künstlerin ihrer Generation am Puls der Zeit, um zu fragen, wo wir letztendlich heute stehen. Was passierte damals und was passiert heute hinter den Türen der Wohnungen in Ost- und Westdeutschland und mit welchen Konsequenzen? Zwischen lilafarbener Kuhfelldecke und Sperrholzmobiliar zeigt Henrike Naumann auf Röhrenfernsehgeräten Filme über sich radikalisierende Jugendliche bei konspirativen Treffen, die auf entsprechenden Sofas sitzen – ähnlich wie etwa damals NSU-Angehörige in Naumanns Geburtsort Zwickau, die die Republik durch ihre Anschläge erstarren ließen.

Als Henrike Naumann im Zuge ihrer Erinnerungsarbeit Bildmaterial zur »Treuhand Abwicklung« in den ostdeutschen Ländern suchte, stieß sie auf Birgit Breuel und damit auf die Expo 2000, während derer zudem erstmalig Deutschland als Ganzes im Kontext »Mensch, Natur, Technik« präsentiert wurde. Ihre Recherchen führten sie schließlich zum EXPOSEEUM, einem Verein, der unzählige nach der Weltausstellung in Hannover verbliebene Relikte versammelt: Gastgeschenke, Reste von Pavillons, Tausende von Filmbändern, die auf sehr unterschiedliche Weise die Ereignisse dokumentieren, die man als Besucher*in mehr oder weniger erinnert.

In der Ausstellung »2000. Mensch. Natur. Twipsy.« im Kunstverein Hannover erinnert Henrike Naumann nun an die Nationenausstellung der Expo und eliminiert mit ihrem Titel die Natur aus ihrem Blickwinkel.
Henrike Naumann fragt vielmehr, wie private, aber auch nationale Repräsentanz als metaphorische Bilder inszeniert werden, indem sie die Exponate des EXPOSEEUMs mit den für sie typischen Einrichtungen kombiniert, die in der Region um Hannover für die Ausstellung erworben wurden.

Durch die künstlerische Arbeit von Henrike Naumann wird nun das EXPOSEEUM einer breiteren (Kunst-)Öffentlichkeit zugänglich sein. Zugleich ist ein Verein im Kunstverein zu Gast, und das Team des EXPOSEEUMs wird jeden Sonntag persönlich präsent sein – im EXPOSEEUM im Kunstverein Hannover.

Seitdem die Werke der Künstlerin Henrike Naumann institutionell erstmalig und schon damals mit ersten Artefakten aus dem EXPOSEEUM im Museum Abteiberg in Mönchengladbach (Frühjahr 2018) zu sehen waren, wurde die vor uns liegende Ausstellung koooperativ erarbeitet. Gleichzeitig hat sich das Interesse an Henrike Naumann blitzartig verbreitert, sodass sie in den Fachzeitschriften sowie den Feuilletons bereits vielfach besprochen wurde. Allein seit der Mönchengladbacher Museumsausstellung nahm sie an zahlreichen Ausstellungen teil, wie der Busan Biennale in Südkorea, im MMK Frankfurt, bei den Urbanen Künsten Ruhr, derzeit bewusst kurz vor den Landtagswahlen in Sachsen bei mehreren Ausstellungen in Chemnitz im Open Space direkt hinter der Karl Marx Büste und im Museum der Bildenden Künste, Leipzig.
Im Herbst folgt eine Einzelausstellung im Belvedere 21 in Wien und eine weitere Gruppenschaubeteiligung im Haus der Kunst, München.

Um Henrike Naumanns Ansätze zu reflektieren, werden wir am Samstag, dem 17. August 2019 ab 14.00 Uhr ein Symposium auf dem Expo Gelände anbieten. Hierzu erhalten Sie eine separate ausführliche Einladung. Im Kontext der Ausstellung widmen wir uns im Hinblick auf die Arbeit von Henrike Naumann zudem der DDR-Kunst: mit einem Vortrag der Kunsthistorikerin Dr. Kathleen Reinhardt aus Dresden (Mittwoch, 24.07.2019, 19 Uhr), und wir werden auch an die im Kunstverein ausgestellte Kunst aus der DDR, die hier noch während des Eisernen Vorhangs gezeigt wurde, in unserem Raum 7 erinnern. Zur Ausstellung erscheint in Kooperation mit dem Museum Abteiberg in Mönchengladbach ein Künstlerbuch.

Eine Besonderheit im breiten Vermittlungsprogramm stellt das Sommerferien-Programm »Sommercamp 2000« dar. Ausgehend von den künstlerischen Arbeiten in der Ausstellung, initiiert das Sommercamp in Form von Workshops eine interdisziplinäre Erinnerungsarbeit zu Deutschland im Jahr 2000. In drei Ferien-Workshops für Kinder und Jugendliche wird die Ästhetik und Gesellschaft seit der deutschen Einheit in den Blick genommen.

Eröffnung: 12. Juli 2019 um 20 Uhr
Begrüßung: Ellen Lorenz (Vorsitzende Kunstverein Hannover)
Grußwort: Konstanze Beckedorf (Kulturdezernentin der Landeshauptstadt Hannover)
Einführung: Kathleen Rahn (Direktorin Kunstverein Hannover)


Kunstverein Hannover
Sophienstraße 2
30159 Hannover

Tel. 0511/16 99 278 -0

mail@kunstverein-hannover.de
www.kunstverein-hannover.de


ÖFFNUNGSZEITEN:

  • Dienstag-Samstag: 12 bis 19 Uhr
  • Sonntag & Feiertage: 11 bis 19 Uhr

 

Patricia Kuwaczka
Patricia Kuwaczka

Als gebürtige Hannoveranerin liebe ich es, meine Stadt immer wieder aufs Neue zu entdecken und aus verschiedenen Perspektiven kennen zu lernen. Ich studiere Marketing & Kommunikation – ein Blog wie „STYLE Hannover“ ist für mich die perfekte Plattform, um meine Erfahrungen mit anderen zu teilen, neue Leute zu treffen und täglich etwas Bemerkenswertes über Hannover zu erfahren.

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