Hannover ist Hochburg von Polocrosse

Hannover und die Region sind die Hochburg des Pferdesports Polocrosse. – Was ist das denn? Nur wenige kennen den Sport aus Australien, der in Deutschland noch recht jung ist und von erst wenigen (Reit-) Vereinen gespielt wird.

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Rasant und schnell: Polocrosseteams sind übrigens oft gemischt mit Spielerinnen und Spielern. Foto: Florien Luitse

Polo + Lacrosse = Polocrosse – hier einmal erklärt 🙂

Polocrosse ist eine Mischung aus den Sportarten Polo und Lacrosse. Kleiner geschichtlicher Überblick: Polo kommt aus dem antiken Persien um 600 vor Christi und Lacrosse von den Indianern an der Ostküste der USA, die mit Netzschlägern versuchten, einen Ball ins gegnerische Tor zu befördern. Der Name „La Crosse“ ist an das französische Wort für „Bischofsstab“ angelehnt, da die Schläger daran erinnern. Ende der 30er-Jahre entwickelten die Australier beide Sportarten zum Polocrosse als Teamsport zu Pferd weiter.

Gute Spielfelder gesucht …

Ein Polocrosse-Spielfeld ist 146,4 Meter lang und 55 Meter breit. Das Feld ist in drei Abschnitte unterteilt, das Mittelfeld (91,4 Meter lang) und die zwei Torbereiche (jeweils 27,5 Meter lang). Die Torpfosten sind 2,5 Meter voneinander entfernt. Vor dem Tor ist der Torraum – das sogenannte „D“ – in Form eines Halbkreises (Durchmesser zehn Meter) angeordnet. Um ein reguläres Tor erzielen zu können, muss sich der Spieler während des Torwurfs außerhalb des Halbkreises befinden. Leider sind solche Dimensionen mit gutem Untergrund für ein Spielfeld schwer zu finden.

Style Hannover Polocrosse Spielfeld - Hannover ist Hochburg von PolocrosseSechs Pferde, sechs Reiter, sechs Raquets und ein Ball … 

Im Spiel jagen jeweils sechs Reiter mit Netzschlägern einem Ball nach. Ziel des Spiels ist es, möglichst viele Tore zu erzielen. Diese sind durch zwei Stangen gekennzeichnet und – ähnlich wie beim American Football – endlos, das heißt, wenn der Ball höher ist als die Stangen, wird das Tor auch gegeben, solange er sich zwischen den gedachten Verlängerungen der Stangen befindet. Um das genau zu beurteilen steht jeweils ein Tor-Schiedsrichter hinter dem Tor.

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Ein guter Pass ist schon die halbe Miete, wenn der Ball verloren geht, liegt die Chance, dass man ihn noch bekommt, bei nur 20 Prozent. Foto: Florien Luitse

Das Team

Ein Team (6 Personen) besteht aus zwei Sektionen, mit jeweils drei Personen. Eine Sektion besteht aus einem Angreifer (mit der Rückennummer 1), einem Mittelfeldspieler (2) und einem Verteidiger (3), die gleichzeitig auf dem Feld sind. Oft sind die Mannschaften auch gemischt mit Männern und Frauen.

Chukka!

Ein Spiel hat sechs sechsminütigen Spielabschnitte, wobei nach jedem dieser sogenannten „Chukkas“ die Sektionen des Teams ausgetauscht werden. Anders als beim Polo reitet jeder Spieler nur ein Pferd. Dieses braucht keine bestimmte Größe oder Rasse zu haben. Hengste und Pferde, die sich nicht kontrolliert reiten lassen oder aufgrund schlechter Angewohnheiten eine Gefahr für die Mitspieler darstellen, sind von der Teilnahme ausgeschlossen.

Abdrängen erlaubt – aber nur in Laufrichtung

Der Ball – aus Gummi mit einem Durchmesser von zehn Zentimetern und einem Gewicht von 150 Gramm – wird dabei (anders als beim Polo) nicht geschlagen, sondern im Netz des Schlägers aufgenommen und getragen oder einem Mitspieler zugeworfen. Dabei ist es erlaubt, dem Gegner den Ball aus dem Schläger zu schlagen oder ihn abzudrängen, um ihn am Torwurf zu hindern.

Das Spiel

Jeder Spielzug fängt im Mittelfeld mit der Aufstellung (line-up) am „T“ an, wobei sich eine Sektion neben die des gegnerischen Teams stellt. Die Nr. 1 steht vorne, dahinter die 2 und die 3. Auf den Befehl „rackets up“ (Schläger hoch) dürfen die Spieler ihre Schläger hoch über den Kopf nehmen. Der Schiedsrichter wirft dann den Ball über die Köpfe der Spieler ein. Die Spieler müssen nun versuchen, den Ball zu fangen oder vom Boden aufzuheben, um ihn zum gegnerischen Tor zu befördern. Über die Freiwurflinie darf der Ball nicht getragen werden: Er muss entweder über der Linie gebounced (aufgeprellt) und erneut gefangen, oder von einem Mitspieler zugespielt werden, um in den Torbereich zu gelangen.

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Racquets up – und los geht’s. Wer den Ball zuerst hat, reitet schnellstmöglichst los. Foto: Florien Luitse

Tore werfen darf dabei nur der Angreifer, der neben dem gegnerischen Verteidiger auch der einzige ist, der den Torbereich betreten darf. Die übrigen Mitspieler versuchen, ihm das Einreiten in den Torbereich zu ermöglichen, ohne dabei die Verteidigung des eigenen Tores zu vernachlässigen.

Schiedsrichter (Umpire): Beim Polocrosse gibt es zwei Schiedsrichter auf dem Feld (ebenfalls zu Pferd) und je einen Schiedsrichter hinter dem Tor, der genau schauen muss, ob der Ball wirklich zwischen den zwei Torstäben war.


 

Falls Ihr es mal ausprobieren wollt: Diese Vereine gibt es in Hannover und Umgebung: Polocrosse SG Garbsen/Stelingen, PSV Wulbecktal e.V., Reit- und Fahrverein Lichterhorst, Reit- und Fahrverein Engelbostel u.U. e.V. sowie den Reit- und Polocrosse Verein Kananohe e.V.

Ein spannender Sport wo Mensch und Tier eine Einheit bilden und das sportliche Miteinander eine große Rolle spielt. Auch wenn man die Regeln nicht direkt verstehen sollte, ist es ein spektakulärer Sport, der sich lohnt angeschaut zu werden.

Katja Banik
Katja Banik

Die Idee, Hannover künftig sichtbarer zu machen, kleine Läden und Kultur zu unterstützen sowie interessante Menschen vorzustellen, finde ich toll. Journalistisch arbeiten, Interviews mit Hannoveranern führen sowie in einem wirklich netten Team einen richtig schicken Blog machen – ideal.

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