Nevin Aladağ – „Best Friends“ und Roman Signer -„Neue Arbeiten“ bis 4. November 2018

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(c) Nevin Aladag Best Friends Dortmund 2012

Die Kestner Gesellschaft präsentiert die Ausstellung der Berliner Künstlerin Nevin Aladağ *1972 in Van, Türkei) mit dem Titel »Best Friends« in der Claussen Halle. Nevin Aladağ setzt sich in ihren Werken mit aktuellen gesellschaftlichen Fragen nach der Selbstbestimmung von Identität und der Hybridisierung kultureller Räume auseinander. Auf der documenta 14 wurde ihr Werk einem breiten Publikum vorgestellt. Mit der Ausstellung präsentiert die Kestner Gesellschaft ein experimentelles Format: In nur einem Raum wird sich die Schau über zwei Laufzeiten entfalten. Im ersten Teil der Ausstellung, der Ende August 2018 eröffnet, werden anhand der Fotoserie » Best Friends« (2012 – 2015) und der Videoarbeit »Hochparterre [Mezzanine]« (2009/2010) die Themen Freundschaft, Nachbarschaft und gesellschaftliches Zusammenleben verhandelt. Im zweiten Teil, der im Dezember 2018 startet, verändert sich die Ausstellung und wird durch neue Werke ergänzt. Schauplatz der Filme, Fotografien, Installationen, Skulpturen und Performances von Nevin Aladağ ist oftmals der öffentliche Raum, in dem das Spannungsverhältnis zwischen Gemeinschaft und Individualität, zwischen Zugehörigkeit und Abgrenzung besonders deutlich wird. »Best Friends« zeigt beste Freundinnen und Freunde, deren Verbindung sich durch Aussehen, Körpersprache und Kleidungsstil ausdrückt. Imitation und Angleichung, ob bewusst oder unbewusst, manifestiert die Freundschaft und lässt die Porträtierten zu einer Einheit werden.

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(c) Nevin Aladag Best Friends Dortmund 2012

Für die Entstehung dieser Fotografien betreibt Aladağ Feldforschung etwa in den Straßen von Los Angeles, Dortmund oder Berlin. So können die Fotos auch als Porträts der Städte verstanden werden. Erstmals zeigt Nevin Aladağ die Bilder auf überlebensgroßen Bannern. Die Abbilder der Freundschaften werden dadurch für die Betrachterinnen und Betrachter auch körperlich erfahrbar gemacht. Für das Video »Hochparterre [Mezzanine]« hat die Künstlerin zahlreiche Interviews mit Anwohnerinnen und Anwohnern der Großen Bergstraße in Hamburg – Altona geführt. Aladağ stellte den Menschen Fragen über das Zusammenleben in dieser diversen Nachbarschaft und befragte sie auch zu ihrer Meinung über die Entwicklungen in ihrer Stadt. Einzelne Passagen der Tonaufzeichnungen wurden zu einer Soundcollage zusammengefügt. Im Video werden die verschiedenen Stimmen von einer einzigen Schauspielerin lippensynchron wiedergegeben.

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(c) Nevin Aladag Best Friends Dortmund 2012

Durch die Diskrepanz zwischen dem Gehörten und dem visuellen Eindruck ihrer Mimik und Gestik werden die Kriterien für die Zuschreibung von Identitäten herausgefordert. Das Video gehört zu einer dreiteiligen Serie, die auch die Hauptstädte Berlin und Wien in den Fokus nimmt. Der architektonische Charakter der Claussen – Halle als ein von allen Seiten zugängliches Atrium spiegelt die Idee des offenen bzw. öffentlichen Raumes wider. Das experimentelle Ausstellungsformat gibt Gelegenheit zu einem intensiven Austausch über die gesellschaftsrelevanten Themen in Aladağs Arbeiten und wird von einem umfangreichen Rahmenprogramm begleitet.
Nevin Aladağ wurde 1972 in Van (Türkei) geboren. Sie studierte von 1993 bis 2000 Bildhauerei an der Akademie der Bildenden Künste München bei Olaf Metzler. Seit 2002 lebt und arbeitet Aladağ in Berlin. 2018 gewann die Künstlerin den Ernst – Rietschel – Kunstpreis für Skulptur.

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(c) Roman Signer Kajak mit blauen Fässern 2016 – Kestner

Die Kestner Gesellschaft präsentiert den Künstler Roman Signer (*1938 Appenzell) in einerumfangreichen Einzelaustellung mit neuen Arbeiten hauptsächlich aus den letzten drei Jahren. Das vielseitige Werk des international renommierten Schweizer Bildhauers wird mit dreizehn Skulpturen und Installationen sowie fünf Filmen auf beiden Ausstellungsebenen vorgestellt. Bekannt für seine Sprengaktionen arbeitet der Künstler seit den frühen 1970er Jahren an einem erweiterten Skulpturbegriff. Bei Roman Signer stehe  Prozesse, Materialeigenschaften und die Arbeit mit gewöhnlichen Objekten im Fokus. Damit weisen sie Verbindungen zur Konzeptkunst, Land Art und Arte Povera auf. Roman Signer erweitert die drei Dimensionen der Skulptur um eine Vierte: die Zeit. Anhand von sich bewegenden Alltagsgegenständen, beispielsweise einem fahrenden Rasenmäher und fliegenden Modellhubschraubern, werden der Zeitverlauf und Spuren des Vorangegangenen auch als Metapher für Vergänglichkeit sichtbar und erfahrbar gemacht. Die Ausstellung »Roman Signer | Neue Arbeiten« zeigt auch zwei begehbare Installationen, die erstmals in der Kestner Gesellschaft präsentiert werden.

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(c) Regenschirm mit zwei Ventilatoren – Kestner

Wiederkehrendes Vokabular In Roman Signers Arbeiten treten Gebrauchsgegenstände als stets wiederkehrende Motive in neuen Zusammenhängen auf: Darunter präparierte Fahrräder, fliegende Eimer, tanzende Spazierstöcke, Helikopter und Drohnen. Die Objekte werden nicht in ihrer üblichen Funktion ausgestellt, sondern in ungewöhnlichen und zuweilen humorvollen Konstellationen. Beispielsweise zeigt die Installation »Schirm« (2016) zwei Ventilatoren, die eine Art Zwiegespräch über das Auf -und Zuklappen eines Regenschirms führen. In der Videoarbeit »Dachlawine« (2017) sind mit Wasser beladene Industriefässer zu sehen, die nach einer simultanen Sprengung von ihrer Verankerung loskommen und ein Satteldach herunterrollen. Übrig bleibt, nach einem großen Spektakel, das Metall in neuer Form. Physische Kräfte – Sprengstoff, Wasserkraft oder Motoren ebenso wie die Gravitationskraft – werden in Roman Signers Werken deutlich einbezogen und offenbaren ein skulpturales Potenzial. In diesem Fokus werden Geschwindigkeit, Kraft und Chronologie erfahrbar. Die Betrachterinnen und Betrachter können dabei die Zeit als Bewegung im Raum nachvollziehen. Besonders im Warten auf das Vorhersehbare und der schnellen Veränderung lässt sich die Zeit in Ausdehnung und Verdichtung erleben. Doch erscheint die Zeit auch in der »Spur« (2016) des Vorangegangenen und als die mögliche Zukunft, beispielsweise in einem »Kajak« (2016), das auf zwei Industriefässern durch die Ausstellungshalle rollen könnte. Neue Arbeiten Erstmals werden in der Kestner Gesellschaft zwei große, begehbare Installationen  gezeigt: »Runder Raum« (2017) ist eine hölzerne Rotunde mit einem Durchmesser von 6 Metern. In einer neuen Aktion sprüht Roman Signer gelbe Farbspuren entlang eines Rads in halbkreisähnlichen Bögen, die hier auch in Bezug zu den runden Kuppelsaalfenstern des ehemaligen Goseriedebads treten. In der Installation »Milchstraße« (2018), die eigens für die Kestner Gesellschaft gebaut wurde, widmet sich der Bildhauer.


Eröffnung: Donnerstag, 23. August 2018 | 18.30 Uhr
Dauer 24. August – 4. November
Best Friends – Teil 2: 1. Dezember 2018 bis 10. Februar 2019


Kestnergesellschaft
Goseriede 11
30159 Hannover

Tel. 0511 – 7012010

kestner@kestnergesellschaft.de 
www.kestnergesellschaft.de


ÖFFNUNGSZEITEN:

  • Montag: geschlossen
  • Täglich und an Feiertagen: 11 bis 18 Uhr
  • Donnerstag: 11 bis 20 Uhr
  • Freitags freier Eintritt

 

Karen Baumhöver-Wegener
Karen Baumhöver-Wegener

Ich begeistere mich für Kultur & Kunst, bin gerne mit dem Rad unterwegs und liebe es Neues zu entdecken und fotografisch festzuhalten. Als Ina mich dann ansprach, ob ich im Verein beim Blog STYLE Hannover nicht mitmachen wollte war ich schnell entschlossen und sagte zu. Als schaffende Künstlerin und Ausstellungskuratorin weiß ich sehr wohl, wie wichtig es ist mehr Öffentlichkeit für Kultur zu schaffen.

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